Interview mit Winston Huggins

In den ersten drei Saisons flog die Mannschaft von Winston Huggins förmlich durch die Ligen in Norddeutschland. Drei Jahre – nur drei Niederlagen. Es folgte der Aufstieg in die zweite Bundesliga - aber auch der sofortige Wiederabstieg. Nur zwei gewonnene Spiele waren zu wenig für den Klassenerhalt. Headcoach Huggins sprach mit Johannes Krupp über seine Zukunft, die des Hildesheimer Footballs und die letzte Saison.

 

Krupp: Winston, du hast wieder unterschrieben und wirst für mindestens eine weitere Saison Cheftrainer bei den Hildesheim Invaders bleiben.

Huggins: Ja, das stimmt. Vorweg möchte ich mich aber bei der Eintracht Hildesheim für die tolle Unterstützung bedanken. Wir haben nur zwei Siege einfahren können und ich möchte mich beim Publikum und den Unterstützern unserer Mannschaft dafür entschuldigen, dass wir diesen unermüdlichen Einsatz nicht mit mehr als zwei Siegen würdigen konnten. Soviel dazu: so etwas wird nie wieder passieren.

 

Krupp: Nur zwei Siege. Eine enttäuschende Saison, wie du schon sagtest. Du hast Dir Zeit gelassen mit der Entscheidung hier zu bleiben…

Huggins: Ich habe mir nicht mehr Zeit gelassen als sonst. Nach jeder Saison schaue ich, wo ich in meinem Leben stehe und ob ich die Zeit habe mich der Position des Headcoaches in Hildesheim hinzugeben. Ich glaube es erschien nur als eine lange Zeit, weil sich viele nach der schlechten Saison die Frage stellten, ob ich weitermachen würde. Ich habe Artikel in der Zeitung gelesen in denen gefragt wurde ob ich bleibe, sah Fotos von mir auf denen ich sehr niedergeschlagen und enttäuscht wirkte. Plötzlich fingen die Menschen an mich zu fragen ob ich bleibe, bevor die Saison zu Ende war, was ich sehr lustig fand, denn diese Frage wurde mir in den drei Jahren zuvor nicht einmal gestellt.

 

Krupp: Hast du zu dem Zeitpunkt selbst ernsthaft darüber nachgedacht?

Huggins: Menschen die mich kennen hätten gleich gesagt, dass ich zu 100 % bei den Invaders bleibe. Ich bin niemand der vor Verantwortung wegläuft, noch gebe ich nach nur einer schlechten Saison auf. Ich glaube an die Mannschaft und die Invaders. Ich habe zu viel Stolz, um mit zwölf Niederlagen aufzuhören. Wenn ich das Potenzial der Mannschaft und die Möglichkeit der Entwicklung sehe, bin ich richtig aufgeregt wegen der kommenden Saison. 

Krupp: Was waren die Gründe des schlechten Abschneidens?

Huggins: Wenn ich zurück denke war es absolut mein Fehler, die Mannschaft nicht gut genug auf die Gegner vorbereitet zu haben. Ich denke wir haben viel besser gespielt, als ein Team, das mit nur zwei Siegen da steht. Wir waren konkurrenzfähig, aber nicht erfahren genug, um einige enge Spiele zu gewinnen. Das ist das einzig sportlich positive der letzten Saison: Ich weiß jetzt wie viel mehr Vorbereitungszeit in die Mannschaft investiert werden muss. Ich war es nicht gewohnt zu verlieren, habe nie viele Spiele verloren. Gewinnen war für mich zur Selbstverständlichkeit geworden. Ich muss mit meinen Spielern besser kommunizieren, was es heißt zu gewinnen und dafür zu arbeiten.

 

Krupp: Die Person Jayson Sessoyeff hat etwas Ärger gemacht während der Saison. Was ist passiert? Wie bist du damit umgegangen?

Huggins: Wer?

 

Krupp: Du hattest zwanzig neue Spieler zur Verfügung im Vergleich zur Vorsaison. Auch Spieler mit Bundesligaerfahrung.

Huggins: Hatte ich zwanzig neue? Wenn es so war, habe ich sie nicht wahrgenommen. Neue Spieler sind für einen Trainer nicht immer positiv, vor allem im Football. Du musst schauen wie sie sich verhalten und wie du sie einbinden kannst. Unsere jungen Spieler und Rookies (Anfänger) haben sich teilweise klasse entwickelt und können richtig gute Footballspieler werden, aber es nimmt sehr viel Zeit in Anspruch sie zu formen. Ich bin beeindruckt von ihrem Einsatz an sich zu arbeiten.

 

Krupp: Was wird sich in der kommenden Saison verändern?

Huggins: Wir werden nicht zu viel verändern. Ich bin sehr froh darüber, dass ich zum ersten Mal seit dem ich hier bin,  eine große Coachingcrew habe, der ich komplett vertraue. Das erlaubt mir nicht alles auszuprobieren und zu tun. Ich kann mich mehr auf die Mannschaft einstellen. Ich sehe im Moment einen unglaublichen Einsatz der Mannschaft im Wintertraining. Die Jungs arbeiten wirklich sehr hart: nicht nur ich habe gelernt. Im Sommer werden unsere Zuschauer eine diszipliniertere und organisiertere Mannschaft sehen. Ich bin sehr gespannt.

Krupp: Was sind deine Ziele? Der Wiederaufstieg?

Huggins: Mein Ziel ist wie jedes Jahr ein sehr gutes Footballteam aufzustellen. Ein gutes Footballteam gewinnt nicht immer; man kann nicht immer gewinnen. Ein gutes Footballteam spielt harten und disziplinierten Football, gibt niemals auf und respektiert das Spiel. Wenn ich Hildesheim einmal verlassen sollte, will ich sicher gehen, dass die Mannschaft weiter erfolgreich spielt. Das ist der Hauptgrund warum ich hier bin. Wir sind auf dem Weg dort hin, aber wir sind noch nicht am Ziel.

 

Krupp: Du sprichst von einem langfristigen Ziel. Hast du vor länger hier zu bleiben?

Huggins: Ich will so lange hier bleiben, bis ich fließend deutsch spreche. Danach entscheide ich was ich als nächstes tue. Ich liebe es, wo ich im Leben stehe und ich liebe das coachen in Hildesheim. In Amerika sagen wir „If it ain’t broke don’t fix it.” Ich sehe keinen Grund darin das Team zu wechseln oder Deutschland zu verlassen.

 

Krupp: Du hältst weiterhin an Matt LeFever als deinem Quarterback fest, obwohl er letzte Saison nicht restlos überzeugt hat…

Huggins: Quarterback ist eine Position über die unfairer Weise mehr geurteilt wird als über andere. Football ist ein Mannschaftssport und elf Spieler auf dem Feld müssen einen perfekten Job machen um erfolgreich zu sein. Matt ist ein super Quarterback, aber er ist nicht „Superman“. Ob er überzeugt, können wir erst nach der zweiten Saison beurteilen. Er wird unseren deutschen Quarterbacks helfen sich zu entwickeln.

 

Krupp: Wirst du die Mannschaft weiter mit US- Amerikanern verstärken?

Huggins: Ich plane mit unserem deutschen Personal. Wir haben in diesem Jahr eine äußerst talentierte Truppe. Wenn ich gute deutsche Spieler habe, brauche ich keine Amerikaner. Sie können eine hervorragende Hilfe sein, aber die Entwicklung steht im Vordergrund. Wenn hier aber Amerikaner im Umkreis von Hildesheim sind, die gute Teamplayer sind, sind sie herzlich eingeladen bei uns zu spielen.

 

Krupp: Vielen Dank für das Gespräch.

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